![]() | Richard HughesSturmwind auf Jamaica |
Seine Kindheit verbrachte Richard Hughes in Surrey, Südostengland, wo er am 19. April 1900 als Sohn walisischer Eltern zur Welt kam. Früh wurde er mit dem Tod konfrontiert: innerhalb weniger Jahre starben Bruder, Schwester und Vater. Nach seiner Ausbildung an der Charterhouse School trat er im Sommer 1918 in die Britische Armee ein und verbrachte die letzten Kriegsmonate in einem militärischen Ausbildungslager. Von 1919 bis 1922 studierte er am Oriel College in Oxford, wo Aldous Huxley, Robert Graves und T.E. Lawrence zu seinen Freunden zählten. In seine Studienzeit fallen erste literarische Veröffentlichungen. Große Aufmerksamkeit findet der Einakter »The Sister's Tragedy«, der 1922 uraufgeführt wird und den Bernard Shaw als »the finest one-act play ever written« rühmt. Bereits hier zeichnen sich die Themen ab, die Hughes' Schaffen sein Leben lang begleiten sollten: die moralische Widersprüchlichkeit von Gewalt sowie das Verschwimmen der Grenzen von Unschuld und Grausamkeit. Auch seine Faszination für die Außenseiter der Gesellschaft entwickelt Hughes früh. Auf Reisen, die ihn in die USA und nach Osteuropa führen, sucht er den Kontakt zu »tramps, beggars, and vagabonds«. Diese Erfahrungen schlagen sich in dem Lyrikband »Gipsy Night« nieder. Im Jahr 1923 zieht er nach Nordwales, wo er die Theatergruppe »Portmadoc Players« mitbegründet. Ein Jahr darauf wird Hughes' Werk »Danger« im Radio gesendet - es ist das erste Hörspiel in der Geschichte des Rundfunks. 1925 beginnt er mit der Arbeit an »A High Wind in Jamaica«, die drei Jahre andauert und von seelischen Krisen unterbrochen wird. Der Roman, der 1929 gleichzeitig in England und den USA (dort unter dem Titel »The Innocent Voyage«) erscheint, wird von der Kritik wie von der Leserschaft begeistert aufgenommen. Hughes kann nun zahlreiche Reisen durch Europa, die USA, Kanada, Westindien sowie den Nahen Osten unternehmen und kauft sich im alten Stadtteil von Tanger in Marocco ein Haus. Nach seiner Heirat 1932 mit der Malerin Frances Bazley zieht er nach Südwales. Das Paar, das im Lauf der Ehe fünf Kinder bekommt, lebt dort auf einem Anwesen zwischen den Ruinen von Laugharne Castle. In einem Nachbarhaus lässt sich sein Freund Dylan Thomas nieder. 1938 erscheint Hughes' zweiter Roman »In Hazard«, der ebenfalls auf See spielt. Während des Zweiten Weltkrieges ist Hughes als Verwaltungsbeamter im Marineministerium tätig. Diese Erfahrung verarbeitet er 1955 zusammen mit J.D. Scott in dem historischen Werk »Administration of War Production«. Jahrelang pausiert Hughes in seinem schriftstellerischen Schaffen. Stattdessen rezensiert er für die »Sunday Times« Bücher, die vor allem von seiner Passion, dem Meer, handeln. 1955-1956 hat er einen Lehrstuhl am Londoner Gresham College inne, an dem er Rhetorikvorlesungen hält. Erst 1956 beginnt Hughes wieder mit dem Schreiben. Er plant ein mehrbändiges Werk über die Zwischenkriegszeit, von dem er aber nur zwei Bände (»The Fox in the Attic«, 1961 und »Wooden Shepherdess«, 1973) realisieren kann. Am 28. April 1976 stirbt Richard Hughes in Wales an Leukämie. |

