|
Richard HughesSturmwind auf JamaicaRoman
Aus dem Englischen von Annemarie Seidel254 Seitengebunden ISBN 978-3-8015-0373-4 19,50 EUR |
bestellen |
| Autor / Pressestimmen | ||
|
Nach einem verheerenden Orkan schicken zwei besorgte Kolonialfamilien ihre sieben Kinder zurück ins sichere England. Unterwegs fallen sie jedoch in die Hände von Piraten.
Während die Eltern sie für tot halten, erleben die Geschwister die Zeit auf dem Schiff zunächst als ein großes Abenteuer. Bald aber bricht Schrecken in die Idylle ein, und die Kinder erfahren Ausgrenzung, Gewalt, Tod: Der kleine John stirbt an einem selbstverschuldeten Unfall und die zehnjährige Emily ersticht in Panik einen Gefangenen. Die entsetzten Piraten sind erleichtert, als ein Passagierschiff die Kinder schließlich an Bord nimmt.
Kurz darauf werden die Männer aufgegriffen und vor ein englisches Gericht gestellt. Und obwohl sie für den tödlichen Vorfall an Bord nicht verantwortlich sind, müssen sie am Ende dafür mit dem Leben büßen - nicht zuletzt aufgrund einer missverständlichen Zeugenaussage der kleinen Emily.
Poetisch und ironisch räumt der englische Schriftsteller Richard Hughes in seinem Roman von 1929 mit der sentimentalen Vorstellung von der »unschuldigen« Kinderseele auf. PressestimmenUm es gleich zu sagen: Dieses Buch ist - nüchtern gesagt - berauschend. Das wirklich Faszinierende an diesem Roman ist nicht der Plot, so tragisch er auch sein mag, sondern die Fähigkeit Richard Hughes', sich in die magischen Spiele der Seele zu versenken und in deren dunkle und verhängnisvolle Regeln. Hier wird nicht, wie es auf den ersten Blick scheint, Kindheit entzaubert, sondern der Mythos, den Erwachsene sich selbst von ihr gemacht haben. Sie kennen die Welt der Kinder nur, solange sie selbst Kind sind. Auf Erwachsene ist noch weniger Verlass als auf Kinder. Kinder bemitleiden niemanden; sie können kein Mitleid haben - aber sie sind niemals sentimental. Das ist der Grund, warum dieses Buch ganz und gar nicht düster ist, sondern im Gegenteil urkomisch, strahlend und verschwenderisch, bittersweet indeed. Wer selbst Kinder hat, der wird sie nach dem Lesen dieses Buches mit anderen Augen betrachten. Thomas Findeiß, mare
Nie las ich ein besseres Buch über die Welt der Kinder. Ich lese es intellektuell beeindruckt von der Klugheit des Autors, und ich lese es begeistert, versunken in eine Seeräubergeschichte. Mit der Beschreibung der vernunftfernen und moralfreien Bewertung von Gefahr und Schrecken, die die Erlebnisse in Emilys innerer Welt finden, präludiert Hughes sein großes Thema: das unausweichliche Unverständnis zwischen Kindern und Erwachsenen. Durchgängig beibehalten ist eine doppelte Perspektive. Und eine doppelte Plausibilität. Die Wertungen, die die Kinder ihren vielfältigen Erlebnissen mit Dingen, Tieren und Menschen einräumen, werden plausibel, weil Hughes uns die kindlichen Phantasie-Logiken diskret und sprachmächtig nahe bringt, Und auch die Interpretationen, die die Erwachsenen für das kindliche Tun finden, sind plausibel – aber falsch. Wir verstehen die Kinder, wir verstehen die Erwachsenen, und wir verstehen, warum diese die Kinder nicht verstehen. Der Roman blamiert unsere sentimentalen und psychologisierenden Vorstellungen von dem, was ein Kind sei. Der Vater Emilys kommt einmal näher an die Wahrheit, als ihn für einen kurzen Moment ein unerklärliches Grausen beim Anblick seiner Tochter befällt. Um etwas über Kinder zu lernen und um zu erfahren, warum das väterliche Grausen seine Berechtigung hat, muss man das Buch lesen. Unbedingt. Silvia Bovenschen, Literaturen
Als Richard Hughes’ Roman 1924 erschien, galt er in Großbritannien als Sensation. Und im Abstand von 70 Jahren wundern wir uns, warum uns bislang niemand dieses großartige Buch zugänglich gemacht hat. Kinder geraten in die Fänge von Piraten, und was sich wie ein Abenteuer anläßt, entwickelt sich zu einer Folge tragischer Ereignisse. Hughes ist ein gnadenloser Autor. Er zeigt uns Kinder, die weit entfernt sind von einer heiterten Unschuld, und Menschen, die das Zeug zum Opfer wie zum Täter haben. Salzburger Nachrichten
|
| zurück... | drucken... |
